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Freitag, 3. Mai 2013

Kunsthandwerk – the one and only

Der aktuelle Trend zur Individualisierung und Personalisierung von Produkten beinhaltet die Betonung und Neubewertung der Idee von Handwerk. Ein Objekt durch die „story behind“ als Autorenprodukt aufzuwerten ist eine Methode, die verantwortungsbewusste Kunsthandwerker seit Generationen wählen, um für die handwerkliche und gestalterische Qualität ihrer persönlichen Arbeit zu bürgen. Ihre Produkte entstehen aus einem ganzheitlichen Ansatz heraus, der Inhalt, Form und technische Umsetzung als gleichberechtigt erkennt.

Sinnliche Erfahrung ist essentiell für den Kunsthandwerker und beinhaltet materialbezogene Forschungen, Spontaneität und die Dynamik intuitiven Arbeitens. Gestaltung ist hier kein abstrakter Plan, sondern konkretes Machen. Es geht um das Erkennen der Offerten des Materials, das zugleich Partner und Widersacher ist, an dem man im Laufe der Zeit wächst. Der individuelle Stil wächst aus dem ebenso leidenschaftlichen wie versierten Umgang mit dem Material, das im doppelten Sinne Medium ist, um ein bestimmtes Gestaltungskonzept zu realisieren. "Der Kopf ist ohne Hand nichts", sagt der Silberschmied Wilfried Moll, "und die Hand ohne den Kopf auch nichts." Diese Erkenntnis gilt für alle gestaltenden Handwerker oder handwerklich Gestaltenden.

Jedes handgefertigte Stück wird die, wenn auch minimale, Variante seines Vorgängers sein - genau darin liegt der Charme des Handgemachten. Eine handwerklich hergestellte Kleinstserie wird sich immer wie eine gewachsene Familie zueinander verhalten und nicht wie identische Klone – die bleiben der industriellen Produktion vorbehalten. Und selbst diese Serien werden sich über die Zeit leicht verändern, weil ein Kunsthandwerker mehr daran interessiert ist, die Qualität seiner Ideen zu erproben anstatt sich selbst zu wiederholen. Das ist ehrlich, authentisch und von sehr individuellem Wert. Das Unikat, das einzelne Objekt in einer thematischen Reihe, das individuelle Einzelstück als Antwort auf eine bestimmte Situation oder Anforderung ist das Lieblingsstück des Kunsthandwerkers, der mit Leidenschaft und Einfühlsamkeit seiner idealen Form nachspürt.

Die „Eunique“ lädt zur aktiven Entdeckung der „story behind“ ein, mehr über individuelle Gestaltungskonzepte, Materialien und Techniken zu erfahren, einzigartige Unikate zu kaufen oder persönliche Lieblingsstücke zu beauftragen.

© Schnuppe von Gwinner, April 2011 
veröffentlicht im Bulletin 4 der Eunique, Internationale Messe für Angewandte Kunst & Design in Karlsruhe

Kunsthandwerk – quo vadis?

Der Trend ist deutlich: die Ideale des Einzigartigen und Individuellen widersprechen zunehmend dem Massenhaften. Die Renaissance traditioneller Werte ist ein gesellschaftliches Phänomen. Die Sehnsucht nach kultureller und sozialer Identität, Orientierung und Glaubwürdigkeit ist allgegenwärtig. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Aufklärung und Kennerschaft durchdringt unser aller Lebenskultur. Bewusste Geniesser und mündige Konsumenten sind heute die Trendsetter.

In den USA, sowie in den angelsächsischen und skandinavischen Ländern, ist diese Entwicklung schon länger zu beobachten. Den so genannten „creative industries“,
ihren Akteuren aus Architektur und Design, Buch- und Verlagswesen sowie Software, gilt dort seit einigen Jahren größte Aufmerksamkeit. Sie gelten als Vorreiter der Entwicklung neuer Strukturen für Arbeit und Märkte. Die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung und die europäische Kommission vermuten in der Kreativökonomie das erfolgreichste Wirtschaftsfeld der kommenden Jahrzehnte. Sie wird auch in Zukunft von extrem flexiblen, toleranten und gut informierten Menschen getragen und gestaltet.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die allgemeine Wertschätzung des Handgemachten, des Handwerks, der individuellen Kreativität aktuell einen faszinierenden Aufschwung erlebt. Die Offerten von Manufakturen, Kunst, Handwerk und Design antworten dem Zeitgeist auf geradezu perfekte Weise. Kommunikation und Information sind hier schon immer unverzichtbarer Teil des Produktes. Hier bedeutet Konsumieren nicht nur kaufen, sondern auch etwas in Erfahrung bringen, Bescheid wissen oder gar mitbestimmen können. Nicht nur Geld, sondern auch Zeit zu investieren, um ein individuelles, sehr persönliches und authentisches Produkt zu erwerben .

Die Messe Eunique möchte in Deutschland eine Lücke schliessen, indem sie ein Forum für das gestaltende Handwerk von internationalem Niveau schafft. Mit den Highlights des zeitgenössischen europäischen Handwerksdesigns wirbt sie für das innovative Potential gestaltender Handwerkskultur. Sie ermöglicht Begegnung und Austausch mit den Protagonisten der angewandten Kunst, deren inhaltlichen wie gestalterischen Konzepte aktueller nicht sein könnten.

© Schnuppe von Gwinner, Dezember 2010
veröffentlicht im Bulletin 1 zur  EUNIQUE 2011 Internationale Messe für Angewandte Kunst & Design, Karlsruhe